Papierrecycling: Wiederverwertung statt Bäume fällen

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Im Jahre 1775 schrieb C. F. D. Schubart in der ‘Deutschen Chronik': “Es ist doch ein Elend. Nun haben die schlechten Schriftsteller nicht einmal mehr den Trost von Käskrämern und Heringsweibern auf’m Markte gelesen zu werden.” Kurz zuvor war in Göttingen ein Verfahren entwickelt worden, mit dem sich aus altem und bedrucktem Papier neue Bögen herstellen ließ – 240 Jahre später wird der Anteil des Altpapiers bei über zwei Dritteln der Gesamtproduktion liegen. Manche Produkte wie Tageszeitungen, Verpackungen, Kartons und Hygienepapier bestehen mittlerweile sogar zu 100 % aus wiederverwerteten Fasern.

Der Bedarf an Rohstoffen sinkt drastisch

Ursprünglich wurde Papier zwar nicht recycelt, um den Baumbestand zu schonen – es wurde in jener Zeit noch aus Lumpen hergestellt. Die Motivation war aber dennoch ganz ähnlich: Es ging darum, den wertvollen Rohstoff zu sparen, denn wie bei Holz war die Menge an Ausgangsmaterial begrenzt. Darüber hinaus existieren noch weitere bedeutende Vorteile, darunter insbesondere der wesentlich geringere Verbrauch an Frischwasser. In einem einzelnen Blatt Papier im Format DIN-A4 stecken bis zu 10 Liter Wasser, das bei der Herstellung verbraucht wird. Bei Recyclingpapier benötigt das Verfahren hingegen für ein ganzes Kilo Papier nur noch 20 Liter – das senkt den Aufwand für den Transport und die Reinigung auf ein Minimum.

Eine häufig gestellte Frage ist auch: Wie viel Bäume stecken eigentlich in 1000 Kilogramm frischem Papier? Die Antwort ist jedoch schwierig, denn Bäume sind nicht nur unterschiedlich groß, sondern weisen auch eine sehr unterschiedliche Holzdichte auf. Für die Herstellung wird allerdings mehr als das Doppelte des Gewichts an Ausgangsmaterial benötigt. Bei einem Stammdurchmesser von 40 cm und einer Höhe von 25 Metern kann deshalb davon ausgegangen werden, dass es pro Tonne mindestens ein ganzer Baum ist.

Deutschland ist Spitzenreiter beim Recycling

International betrachtet liegt Deutschland mit seinen Zahlen weit in Führung und verarbeitet prozentual fast die doppelte Menge an Altpapier gegenüber anderen Industriestaaten wie den USA. Auch die Rücklaufquote ist dank der Sammelbereitschaft der Bevölkerung und der guten Versorgung mit Abgabestellen hoch – beinahe drei Viertel des Papiers, das sich im Umlauf befindet, findet den Weg zurück in den Kreislauf. Im Zeitraum Januar bis August 2014 wurden laut Aussagen der Hersteller bereits mehr als 15.000.000 Tonnen Papier produziert, wobei mehr als 11.000.000 Tonnen Altpapier eingesetzt wurden. Unternehmen wie fair-packung.de bieten beispielsweise Verpackungsmaterial aus recyceltem Altpapier an.

Diese Zahlen machen nicht nur die enorme Nachfrage deutlich, sondern auch, wie wichtig es ist, den Anteil an recyceltem Papier zu halten und nach allen Möglichkeiten noch weiter auszubauen. Ein positiver Nebeneffekt ist dabei: Wegen der geringeren Produktionskosten und der mittlerweile hohen Qualität der Produkte wird der Holzverbrauch nicht nur in Deutschland selbst zurückgedrängt. Fast die Hälfte der Produktion wurde nämlich in das Ausland exportiert, darunter auch zahlreiche Staaten, in denen die Quote für Recyclingpapier weit unter den deutschen Maßstäben liegt. Dadurch profitiert nicht nur die Umwelt, sondern es ergibt sich auch ein echter Wettbewerbsvorteil für deutsche Unternehmen auf dem weltweiten Markt.

Der Großteil stammt aus privaten Haushalten

Anders als in vielen Bereichen sind beim Altpapier die privaten Haushalte die mit Abstand wichtigste Quelle für den Nachschub. Viele Unternehmen setzen zumindest intern bereits auf eine elektronische Kommunikation und sparen dadurch große Mengen an dem wichtigen Rohstoff ein. Große Mengen an Altpapier fallen in diesen Bereichen deshalb vergleichsweise selten an – es sind auch weiterhin Verbrauchsgüter, die den überwiegenden Teil am Rohstoff bilden – von Magazinen, Prospekten und Tageszeitungen bis hin zu Pizzaschachteln und Verpackungsmaterial.